Das Thema Augengesundheit beim Pferd liegt mir aus persönlichen Gründen besonders am Herzen.
Die wohl gefürchtetste Augenerkrankung und häufigste Ursache für Blindheit bei Pferden ist die Periodische Augenentzündung (PAE), auch genannt Equine Rezidivierende Uveitis (ERU).
Bislang gibt es keine wirklich zufriedenstellende Therapie für diese Erkrankung.
Bei nachgewiesener Leptospiren-Infektion des Auges ist die die Vitrektomie (Entfernung und Spülung des Glaskörpers) derzeit die Therapie, mit den besten Erfolgsaussichten. Sie ist ein Eingriff in Vollnarkose, der in in vielen Fällen zwar weitere Entzündungsschübe verhindern kann, einige der operierten Augen erblinden aber langfristig trotzdem, durch Vorschädigungen oder Komplikationen bei der OP. Bei anderen, nicht leptospirenassoziierten Ursachen, z.B Tigerschecken-Uveitis hilft die Vitrektomie nicht.
Ein weiterer, etwas weniger invasiver Ansatz ist die Genatmycin-Injektion in den Augapfel, ein Antibiotikum, die ebenfalls nur bei der Leptospiren-Uveitis Sinn macht, hier ist die Rezidivrate leider etwas höher als bei der Vitrektomie.
Die Implantation eines Cyclosporin-Chips ist ebenfalls weniger invasiv, aber immer noch ein Eingriff in Vollnarkose, der eine Schubfreiheit auch nicht 100%ig garantieren kann, schon gar nicht dauerhaft. Das Medikament, das das Implantat sukzessive freisetzt ist irgendwann aufgebraucht, ggf muss es nach einigen Jahren erneuert werden.
Die Akuttherapie erfolgt üblicherweise mit Entzündungshemmern systemisch und lokal, wobei lokal cortisonhaltige Augensalben oder -Tropfen eingesetzt werden. Die unerwünschten Wirkungen von Cortison aufs Augengewebe sind nicht unerheblich, bei verletzer Hornhaut ist es ohnehin kontraindiziert. Cortisonpräparate hemmen zwar Entzündungen, aber auch die Heilung von verletztem Gewebe bzw schwächen auch unverletztes Gewebe. Sie sind während akuter Entzündungsschübe trotzdem notwendig und (derzeit) alternativlos, weil die körpereigene Entzündungsreaktion das Augengewebe irreversibel schädigen kann.
Das oben erwähnte, ebenfalls die Entzündung unterdrückende Medikament Cyclosporin funktioniert leider nur als Implantat, nicht als Salbe oder Tropfen, es gelangt dann nicht ins Augeninnere.
In den USA gibt es derzeit vielversprechende Tests mit neuartigen Augentropfen, die das sogenannte SOCS-Peptid enthalten, das sehr gezielt die Entzündung im Auge hemmen kann. Wirksamkeitsnachweis und Zulassung dieser Tropfen auch in Deutschland sind noch abzuwarten.
Als Tierheilpraktikerin für Pferde habe ich mich deshalb gefragt, was wir noch ergänzend zur Schulmedizin tun können, um das Leid der betroffenen Pferde zu lindern, d.h.:
Entzündungsschübe hinauszuzögern, abzumildern oder gar zu verhindern.
Folgende Maßnahmen sind nach meinen Recherchen und Erfahrungen einen Versuch wert und schaden nicht, zumal sie, wie gesagt, die schulmedizinische Behandlung nicht ersetzen sollen, sondern präventiv, während schubfreien Zeiten angewandt werden:
Akupunktur und verwandte Behandlungsmethoden, die Energiefluss, Durchblutung und Lymphfluss von Körperregionen regulieren können. Dazu gehören für mich: Meridianmassagen, Akupressur, feuchte Abreibungen, Osteopathie
Entzündungshemmende Ernährung mit augenrelevanten Nährstoffen: Vitamin A, Anthocyane, Lutein (Pflanzenfarbstoffe, wirken antioxidativ sind augengängig, lindern oxidativen Stress u.a durch UV-Strahlung). Entzündungshemmung durch hohe Gehalte an Omega-III-Fettsäuren (Leinsamen und -öl, Hanf) sowie durch sekundäre Pflanzenstoffe etwa in Kurkuma, Weihrauch, Weidenrinde u.v.m, sonstige Antioxidantien, z.B.. N-Acetylcystein
Hygiene- und sonstige Maßnahmen im Management: tadellose Wasserqualität und für möglichst hohe Wasseraufnahme sorgen. Schonende Augenreinigung mit Einweg-Kompressen und H2O statt Schwamm oder Babytuch. Direkte Augenreizungen verhindern: Saubere, staubarme Liegefläche. Staubfreie Paddocks und Reitplätze. Heu entstauben/befeuchten. Gut sitzende Fliegenmasken verwenden, diese regelmäßig reinigen/wechseln. Hochwertige UV-Schutz-Masken bei Sonnenschein. Permanenter Zugang zu Schattenplätzen
Auf Lebergesundheit achten: Schadstoffe vom Pferd fernhalten, Leberwerte checken, Leberkuren mit Mariendistel u.a. Heilpflanzen
Stress und Auslöser von heftigen Immunreaktionen vermeiden: Impfmanagement, Wurmkurmanagement, soviel wie nötig, sowenig wie möglich, ggf. Stallwechsel in Stall ohne Zucht-und Turnierpferde. Keine Mehrfachimpfungen, nur gesunde Pferde impfen lassen, wenn letzter Schub ausreichend lange zurückliegt. Unnötiges Transportieren, Fremdpferdekontakte und sonstige Stressoren vermeiden.
Diese Maßnahmen sind natürlich vorbeugend und begleitend, nicht nur bei periodischer Augenentzündung sondern auch bei anderen Augenerkrankungen z.B. Bindehautentzündung sinnvoll.
Mein Angebot ist die Durchführung von Punkt 1 und die Beratung zu allen weiteren Punkten. Wenn ich bei Eurem Pferd einen akuten Entzündungsschub, eine bakterielle Infektion oder Verletzung des Auges feststelle, überweise ich sofort an Eure Tierärztin oder Euren Tierarzt.
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